Mobiles Leben mit positiven Selbstverstärkern

Eigentlich sollte dieser Artikel “mobile Karriere” heissen. Ich hatte den Artikel schon lange im Kopf, seit ich nämlich festgestellt habe, dass Expats so viel mehr glücklicher in ihren neuen Standorten sind, wenn sie Dinge/Verhalten, die positive Gefühle auslösen, einfach einpacken und mitnehmen können. Man spricht in der Verhaltenstherapie von positiven Selbstverstärker (Selbstverstärker = Belohnung, die aus dem eigenen Verhalten und von innen heraus entsteht, z.B. ein schönes Gefühl wie Stolz). Und neben Hobbies, Partnern, Kindern, Haustieren o. ä. ist eben oft auch der Job für solche positiven Selbstverstärker zuständig. Aber eben nicht nur. Es gibt nämlich auch sehr interessante Persönlichkeiten, die man als extrem erfolgreich bezeichnen könnte, die aber gar keinen “Job” im herkömmlichen Sinne haben. Was ist eigentlich Karriere und warum hängen wir das Wörtchen “Erfolg” immer gleich an das Wörtchen “Job” und bezeichnen das dann als “Karriere”.  Erfolg kann man doch auch in vielen anderen Lebensbereichen haben.

Es eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, als Paar in’s Ausland zu gehen und auch als solches zusammen zu bleiben. Ganz besonders der mitreisende Partner hat mit vielen Veränderungen umzugehen, ist er doch derjenige, der nicht nur (s)ein (Heimat-)Land verlässt, sondern auch seinen Job aufgibt bzw. seine Karriere auf Eis legt. Egal in welcher Weise man das Wort “Karriere” nun interpretiert, scheint es, als habe dieser mitreisende Partner einen viel schwierigeren Part zu bewältigen, zumal die meisten Partner weniger Support bei der Vorbereitung und Durchführung der Entsendung bekommen, als der entsendete Mitarbeiter selbst. Dem entsendeten Mitarbeiter (Expat) ist bewusst, was von ihm zukünftig erwartet wird. Nicht nur seine Funktionen und Aufgaben am neuen Firmenstandort werden bereits beschrieben und besprochen worden sein. Auch seine Rolle in der Partnerschaft/Familie wird in der nächsten Zeit sehr klar umrissen sein und sich nicht großartig verändern.

Während bei manchen Paaren die Entsendung anscheinend gerade perfekt in die Lebensplanung passt, kommt sie bei anderen wie aus dem Nichts. Aber egal, aus welcher Ausgangssituation man kommt, beide Partner werden sich immer mit einem neuen Rollenbild und einem neuen Rollenverständnis innerhalb der Partnerschaft auseinander setzen müssen.

Und was ist, wenn dies nicht die erste und auch nicht die letzte Entsendung gewesen sein wird? Schafft man es, sich selbst im Gastland so viele positive Selbstverstärker zu verschaffen, wie man sie auf einen Schlag verliert. Wäre es dann nicht schön, wenn man eigene davon einfach mitnehmen könnte? Vielleicht ist es der Beruf, der einem Anerkennung und Wertschätzung einbringt, vielleicht aber auch etwas ganz anderes…

Mit dem “Neuland” Internet und der extrem schnell voranschreitenden Technik, entstehen immer neue Möglichkeiten mobil und global arbeiten und vernetzt sein zu können.  Eine Standard-Karriere ist vielleicht nicht möglich, aber programmieren, werben, coachen, schreiben, lehren, Engagement in einer NGO… Das sind nur einige der Dinge, die mir spontan einfallen.  Viele Expat-Partner haben sie schon, die mobile Karriere, oder sind dabei sich diese aufzubauen. Aber vergesst nicht euer mobiles Leben!

Wie sieht es bei Euch und Euren Berufen und/oder Hobbies aus? Könnt oder konntet Ihr diese 1:1 in das Gastland bzw. wieder zurück übertragen? Welche Stolpersteine haben Euch den Weg versperrt oder welche erwartet ihr? Gibt es Länder, die es einem schwerer oder leichter machen, selbständig und unabhängig zu arbeiten? Freue mich über Euer Feedback.

Ein schönes Wochenende, prall gefüllt mit positiven Selbstverstärkern 🙂

Eure Simone